TRANS THÜRINGIA, D

Trans-Thüringia

 

Direkt von Destne sind wir nach der Siegerehrung durch die Nacht weitergereist und haben nach 6 Stunden Fahrt um Mitternacht Masserberg im deutschen Thüringer Wald erreicht. Dort angekommen, haben wir gleich das Hotelzimmer des schmucken Hotel Oberland bezogen und Bus und Hunde am Stake-Out Platz versorgt. Dann sind wir natürlich schnell in die Betten gekrochen, denn der erste Lauf der Trans-Thüringia startete bereits am nächsten Tag, das hiess für die Hunde und auch Janine nach den bereits über 200 gelaufenen Kilometern noch keine Pause.

Am Morgen des Sonntags musste schnell die Startnummer und Startzeit abgeholt und wieder einmal der Schlitten gepackt werden. Aufgrund unterschiedlicher Rennregeln benötigte es unterschiedliches Pflichtmaterial an den beiden Rennen. Bei der Trans Thüringia waren 5 kg Gewicht pro Hund obligatorisch, d.h. der Schlitten wog für uns hier im Minimum 35 kg.
Am Mittag durften wir endlich auf den 35 km langen Trail gehen. Gleich im Startbereich gab es head on passing mit den hereinkommenden Tourenfahrern (Gespanne kreuzen). Die beiden Jungleithunde in lead machten es super und nahmen keine Notiz von den entgegenkommenden Gespannen. Die Hunde liefen trotz den über 200 tschechischen Kilometern in den Beinen immer noch motiviert. Unterwegs gab es einige Herausforderungen wie Pferdekutsche passieren, Langläufer, Spaziergänger mit Hund, freilaufende Hunde usw. Viel Action also. Mit 11 Sekunden Rückstand kam Janine nach gut 2 Stunden als 2. hinter dem einheimischen Ralf Neubauer ins Ziel. Andy war nirgends zu sehen, er hatte das Team noch nicht so früh erwartet. Nach dem Versorgen der Hunde gab es anschliessend die obligate und unübertreffliche warme Dusche im Hotel.

Nach einer erholsamen Nacht im warmen Bett wurden die Hunde am nächsten Morgen rausgelassen, gewässert und ab Mittag waren wieder die Starts angesagt. Da Toivo bei der letzten Etappe an seine Leistungsgrenze gekommen ist, entschied sich Janine, nur mit 6 Hunden zu starten und Toivo einen Pausentag zu gönnen. Bei Nebel und leichtem Schneefall wurde gestartet. Der Trail ging über 50 km gut präparierte, schnelle (für unsere Hunde fast zu schnelle) Trails und nach 2 Stunden 50 Minuten war Janine bereits wieder im Ziel. Mit 45 Sekunden Vorsprung auf Ralf Neubauer war sie nun 1. plaziert. Wir liessen den Abend gemütlich ausklingen.

Beim 3. Lauf, wieder 50 km waren angesagt, streikte Benkku. Beim Einspannen zog er bereitwillig das Geschirr an, aber als es Richtung Schlitten ging, sträubte er sich. Also liess Janine diesmal ihn kurzentschlossen am Stake-Out-Platz und entschied sich, nochmals mit nur 6 Hunden zu fahren. Nach dem Start passierte dann ein Missgeschick. Ein Tourenfahrer hatte die Abzweigung Richtung Stake-Out verpasst und fuhr geradewegs verkehrt in den Startbereich. Die Helfer versuchten noch, das Gespann auf die Seite zu nehmen, aber Janine war zu überrascht, gab kein Kommando und Voimakas als Jungleader lief geradewegs in das Gespann, so dass es eine Verwicklung gab. Zum Glück konnte diese ohne Probleme gut gelöst werden, jedoch dauerte es noch fast eine halbe Stunde, bis die Hunde wieder konzentriert arbeiteten. Im Ziel später meldete uns die Rennleitung, dass uns dafür 5 min. Zeit gutgeschrieben wird. Das Wetter war sehr stürmisch an diesem Tag, der Trail manchmal fast komplett zugeweht. Die gefühlte Temperatur betrug kalte –10°.

Einen Tag später war Umsetztag für die Musher nach Neustadt. Wir blieben mit Bus und Stake-Out in Masserberg im Hotel Oberland und hatten also einen Tag frei. Die Hunde und auch wir waren froh um diesen Tag – der erste Tag Pause seit dem Sedivackuv Long. Wir entschieden uns, nach stundenlanger Mithilfe Autos aus dem Stake-Out-Bereich auszugraben, ins Badehaus in Masserberg zu gehen. Es war super. Sauna, Thermalbad, Fruchtdrinks und Massage wurden immens genossen.

Am 4. Lauf sahen wir von Neustadt beinahe nichts. Dickster Nebel und ein neuer Trail, das hiess wieder bei den Kreuzungen aufpassen, nichts verpassen. Der Trail war wunderschön angelegt, Hügel, Abfahrten, spannende enge Kurven und tiefverschneite Tannen. Nach 35 km war Janine nach einer Stunde 45 Minuten wieder im Ziel. Die Temperatur war auf um die 0° angestiegen und unsere grossen Hunde waren unterwegs häufig am Schnee fressen, um sich abzukühlen. Nach diesem Lauf war Janine auf dem 2. Rang hinter Ralf Neubauer. Am Abend aber schwächelte Janine, hatte Hals- und Kopfschmerzen.

Beim 5. Lauf dann das Pech. Janine war krank und eigentlich wäre der Lauf ins Biwak. Mit Fieber ins Biwak fahren? Janine entschied sich dafür. Die Hunde haben zu viel geleistet, um jetzt abzubrechen. Also wurde wieder alles fürs Biwak gepackt, obwohl – das war ja beinahe ein Weichei-Biwak. Es gab warmes Essen, warmes Wasser für die Hunde – und sogar am nächsten Morgen kam der Bäcker vorbei! Und so was nennt sich Biwak :-). Natürlich haben wir gern von diesen Angeboten auch Gebrauch gemacht. 45 km war die Distanz bis ins Biwak. Schon nach kurzer Zeit wurde unser Team von Ralf überholt, er meinte nur, dass er einen Kräuterschnaps und Tee zum Kurieren im Ziel warm hält. Janine konnte die Berge hoch nicht viel mithelfen, die Kraft reichte einfach nicht. Nach etwa einer Stunde on trail begann ausgerechnet der zugstarke Voimakas zu schwächeln. Er bremste, bis er in der Neckline hing. Janine verlangsamte das Tempo. Trotzdem warf sich Voimakas bei der nächsten Abfahrt einfach auf die Seite und liess sich mitschleifen. Janine ankerte sofort, faltete ihn zusammen ;-)und packte ihn in den Schlitten. Nach ca. 15 min. versuchte sie bei einer Steigung, ihn wieder einzuspannen. Im Trab lief er eigentlich gut mit, aber sobald das Tempo höher wurde, liess er sich einfach fallen. Also wieder Hund eingepackt und diese 25 kg Zusatzgewicht im Schlitten mitgeschleppt. Dann kam ein Streckenposten mit der Möglichkeit, einen Hund abzugeben. Janine fuhr vorbei, wir wollten so gerne mit allen Helden ins Biwak und nach der letzten Etappe auch wieder ins Ziel einfahren. Also hat Janine Voimakas weiter im Schlitten mitfahren lassen und noch weitere 2x versucht, ihn wieder einzuspannen. Nach vielen sehr mühsamen Kilometern fiel dann doch schweren Herzens die Entscheidung, Voimakas bei einem Streckenposten zu lassen. Andy hat ihn später in Empfang genommen und sich um ihn gekümmert. Janine fuhr mit 6 Hunden weiter. Die Strecke war sehr mühsam, man musste dieselbe Schlaufe zweimal fahren und sogar ein drittes Mal darauf abbiegen, bevor man Richtung Biwak wegfahren durfte. Das war mental ermüdend für Musher und Hunde und so keuchten wir ein zweites Mal den Berg hoch und runter. Total kaputt haben wir nach 3 Stunden 10 Minuten dann das Ziel Biwak erreicht. Ralf konnte einen unaufholbaren Vorsprung von 20 Minuten herausgefahren und auch der bis jetzt drittplazierte Stefan Schneider konnte uns überholen und über 7 Minuten abknöpfen. Die Nacht war super. Janine konnte praktisch komplett durchschlafen und hatte am nächsten Morgen einen etwas kühleren Kopf. Die frische, klare Luft hat gut getan. Oder war es der offerierte Kräuterschnaps von Ralf?

Janines Startzeit ab Biwak wurde auf 11.45 Uhr gelegt. Nach dem Bäcker-Frühstück wurde wieder alles eingepackt, die Hunde angespannt und losgefahren. Es ging eindeutig besser. 31 km waren zu absolvieren und nur eine Minute nach Ralf Neubauer kamen wir erschöpft aber überglücklich ins Ziel. Ach ja, Musherin Janine ist nochmals ein Missgeschick passiert. Plötzlich waren zwei blaue Tafeln zu sehen – wohin jetzt? Zuerst sind wir geradeaus gefahren. Dann wurde Janine doch etwas unsicher, hat gewendet und ist abgebogen. Nach kurzer Zeit hat sie es sich nochmals anders überlegt, wieder gewendet und dann endlich doch noch den richtigen Weg gefunden. Glück gehabt. Im Ziel halfen dann die zahlreichen Helfer den Schlitten auf die obligate Waage zu wuchten, wie übrigens nach jedem Lauf. Der Schlitten wog 44 kg. Am Stake-Out begrüssten uns dann Voimakas und die beiden Welpen freudig.

Das Team hat die 246 km in 14 Stunden 33 Minuten absolviert und damit den super 3. Rang erreicht. Auch mit den offenen Gespannen mit 12 Hunden verglichen, war nur ein einziges Team schneller.

Das Rennen ist toll organisiert, super Trails, super Helfer, super Orga-Team, super Rennleitung, sehr nette Musher-Kollegen. Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

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