SEDIVACKUV LONG, DESTNE (CZ) 11

Sedivackuv Long, Destne CZ – 222 km

Januar 2011

Der Wald nimmt kein Ende, die Hunde arbeiten hart vor dem schweren Schlitten, ein Trail ist im Neuschnee kaum zu sehen – untrügliche Zeichen dass wir in der Tschechischen Republik beim Sedivackuv Long sind.

 

Nach der wie immer anstrengenden 1000 km Anfahrt kommen wir bei kalten Temperaturen in Destne an. Die inzwischen schon vertraute Umgebung lässt die Freude auf die kommenden Tage erneut aufflackern.

Nach Aufbau des Stake-Out und erstem Besuch in der Krystina beziehen wir unser Zimmer in der Pension.
Am Abend findet dann das Musher-Meeting in der Krystina statt. Die erste Etappe morgen wird 60 km betragen, die Notausrüstung mitzuführen ist natürlich wie immer Pflicht.

Über Nacht schneit es weiterhin und am Morgen empfangen uns 30 cm schönes neues Weiss als Hinweis auf eine strenge, lange Etappe.
Wir packen nach dem Frühstück die beiden Schlitten – Andy wird mit den ausgeliehenen älteren Hunden (zwischen 9 und 12 Jahren) und unseren beiden Jüngsten, die mit ihren 14 Monaten noch nicht offiziell starten dürfen aber all unsere Trainings mit absolviert haben, in der Kategorie Tour jeweils die 35 km lange K.O.-Strecke fahren.
Ich werde mit unserem 6-köpfigen Team in der LT2 (5-8 Hunde) starten.

Wie immer in Destne sind die Starts in Zeitfenstern, d.h. man kann stressfrei ohne genaue Startzeit in der jeweiligen Kategorie starten. Andy begleitet mich zum Start und begeistert nimmt das Team die Strecke in Angriff.

Gleich nach dem Start geht es bis zur Kirche die Skipiste hoch und anschliessend gleich erstmal runter, über einen offenen Bach und ins Dorf. Dann erwartet uns der erste längere Anstieg. Die Hunde sind topmotiviert und laufen hart arbeitend bergauf. Und danach? Wunderschöne sanfte Abfahrten, anstrengende Anstiege, traumhafte Wälder und stundenlang totale Einsamkeit. Ein paar zu querende offene Bäche, ein paar interessante schweisstreibende Serpentinenabfahrten und einfach wunderschöne Zusammenarbeit mit den Hunden, deren Motivation immer wieder begeistert, erstaunt und ansteckt.

Nach 6 Stunden sind wir vor Einbruch der Dämmerung im Ziel. Die Hunde machen noch immer einen sehr guten Eindruck und wollen nach dem Zieleinlauf bei der Material-Kontrolle motzend weiter. Wir sind auf jeden Fall noch nicht am Limit, was mich nach 60 absolvierten Kilometern und über 2000 Höhenmetern sehr freut. Andy erwartet mich im Ziel, auch ihm hat es sehr gut gefallen, die Hunde sind gut gelaufen und auch er freut sich auf den nächsten Lauf.

Am nächsten Tag erwartet uns dieselbe Etappe noch einmal als Nachtetappe mit Starts nach 15 Uhr. Der Trail ist inzwischen nicht mehr so tief und so erwarte ich einen etwas schnelleren Durchlauf, was mit etwas über 5 Stunden auch gelingt. Noch eines (aus vielen) speziellen Erlebnissen: durch den etwas härteren Trail entwickelten sich die Abfahrten auch dementsprechend. Beim „Eiskanal“, wie wir jetzt eine schmale Bergabpassage neben einem Bach nennen, stehe ich (wie Paul so schön sagt) mit Lebendgewicht auf der Kralle, drücke den schweren Schlitten verzweifelt nach oben und rase trotzdem ungemütlich schnell bergab. Paul der Skijörer (wie die das machen ist mir schleierhaft) steht unten bereits an der Seite, schaut zu wie ich verzweifelt zu bremsen versuche und meint schmunzelnd als ich vorbeirase „Lach doch mal“. Nach lachen war mir dort wirklich nicht gerade, erst weiter unten im etwas flacheren Teil konnte ich wieder etwas durchatmen.

Die Nachtetappe ist immer etwas Besonderes und auch ich als „nicht-gerne-nachts-fahrer-weil-schon-zuviel-passiert“-Mensch habe diese Etappe bei wunderschöner kalter, klarer Nacht mit glitzerndem Schnee, funkelnden Sternen und dampfenden Hunden doch auch geniessen können.

Im Ziel nach der Kontrolle des Schlitten-Gewichts (min. 7kg/Hund) wartet bereits Andy auf uns. Er ist wiederum die 35-km-Strecke gefahren und war bald nach Einbruch der Dunkelheit im Ziel. Auch ihm hat dieses spezielle Erlebnis sehr gut gefallen.
Den Hunden geht es allen gut, es ist eine Freude zu sehen wie sie fressen und sich jeden Morgen wieder freuen, das Geschirr anzuziehen.

Die dritte Etappe führt über 56 Kilometer und auch 2000 Höhenmetern ins Biwak.
Nochmals wird gepackt und gewogen – viel zu schwer will ich mit 6 Hunden auch nicht sein. Wir freuen uns immer sehr auf das Biwak – nach einem harten Tag dann im Biwak mit den Hunden zusammen auch die Nacht verbringen finden wir einfach toll.
In der Tourenklasse hat Andy die Möglichkeit ins Biwak mitzufahren oder auch nur die K.O.-Strecke zu nehmen und wieder zum Stake-Out zurückzufahren. Andy will natürlich mit ins Biwak. Er fährt die verkürzte Strecke und wird bald dort sein.

Ich starte mit gut ausgeruhten und immer noch fiten Hunden. Der Lauf ins Biwak kommt mir mühelos und kurz vor. Nach 4h 50min erreiche ich das Biwak, natürlich nicht ohne doch einmal falsch abgebogen zu sein – ich habe meinen Irrtum jedoch bald bemerkt, habe gewendet und bin wieder zur richtigen Strecke zurückgefahren.

Im Biwak ist bereits Andy als erstes Team dort, ich fahre als zweites Team (erstes Team der offiziellen Wertung) ein und parkiere mein Team natürlich gleich neben Andy. Es ist wirklich schön, ein solches Erlebnis gemeinsam machen zu dürfen.

Nach Zelt einrichten, Hunde versorgen und dem fast obligatorischen Gulasch und Aufwärmen in der Hütte legen wir uns bald schlafen (vom gefährlichen Bärentrunk lassen wir lieber die Finger, der immer wieder angebotene Rum der Streckenposten unterwegs reicht völlig J).

Die klare Dämmerung versprach eine kalte Nacht, was sich auch bestätigt – es wird über -20° kalt. Immer wieder treffen immer noch Teams ein und erst spät kehrt Ruhe auf dem Biwakplatz ein.

Die Hunde haben sich im Biwak gut von dem harten Vortag erholt und auch wir sind dank der Kälte und frischen Luft schnell wach und angezogen. Ich möchte früh starten, um nicht zu viele Überholmanöver zu haben. Wir haben jedoch fast zu lange geschlafen und so sind doch schon einige Teams unterwegs, als ich den Anker ziehe.

Der Sonnenaufgang ist unbeschreiblich schön, es wird ein strahlender Tag und die Hunde fliegen nur so dahin. Im Nu sind alle früh gestarteten Teams überholt und ich fahre zuvorderst auf der toll präparierten Strecke die Hügel hoch und runter. Die Streckenposten sind mit Langlaufskiern noch auf dem Weg zu ihren jeweiligen Bestimmungsorten. Sie rufen und winken überrascht, ich rufe ihnen meine Startnummer zu. Auch die Fotografen sind noch nicht unterwegs.

Die Hunde sind der Wahnsinn und laufen immer im Galopp. Ich bewundere die wunderschöne Landschaft, der unendliche Wald, die Lichtspiele der Sonne im Schnee. Die Hunde fliegen. Ich könnte für immer so weiterfahren…

Nach 37 km und wiederum über 1000 Höhenmetern kam ich nach unglaublichen 2h ins Ziel.

Andy machte sich etwas später auf den Weg und hat die 37 km mit seinem „Rentner-Team“ in ebenfalls sehr schnellen 2h 40min absolviert.

Die Hunde sind einfach nur fantastisch gelaufen, nie musste ich ein Hund laden, nie hat einer Müdigkeit, eine Motivationsschwäche oder Verletzungen gezeigt.

Benkku mit 3 Jahren als jüngster Hund im Team war von einer vorangehenden Bronchitis noch etwas angeschlagen, ist aber alles toll mitgelaufen.

Paluk mit 4 Jahren ist sein erstes Rennen in lead gelaufen und hat es einfach nur super gemacht.

Jääkarhu mit 6 Jahren ist ein toller Leader geworden und macht tempomässig mächtig Dampf.

Der 6-jährige Voimakas ist mental extrem motiviert und sein Trab-Tempo macht ihm so schnell keiner nach.

Lasse ist mit seinen 8 Jahren immer noch ein toller Leader. Ohne zu zögern springt er über Bäche und liebt es im Galopp die Hänge hochzulaufen.

Laurin, auch 8-jährig ging es dieses Jahr gesundheitlich besser und auch er ist als Leader unverzichtbar. Head-on-passing oder Zuschauerhundchen – kein Problem.

Dieses Rennen ist unser Lichtblick bei dreckigen, anstrengenden und mühsamen Trainings oder in dunkleren Momenten. Andrea und Pavel stellen ein tolles Rennen auf die Beine und die wirklich zahlreichen Helfer und Streckenposten sind toll eingespielt, freundlich und zuvorkommend – einfach vorbildlich. Vielen herzlichen Dank für euer ewiges Engagement!

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